Gerechte Bildungschancen auch in Bayern
Ziel der FDP-Fraktion ist mehr Bildungsgerechtigkeit in Bayern. Dazu bedarf es einer größeren Durchlässigkeit zwischen den Schulformen. Dank unseres Einsatzes ist erstmals die Zusammenarbeit von Haupt- bzw. Mittelschulen und Realschulen unter einem Dach möglich. In den Kooperationsschulen werden Schülerinnen und Schüler so gefördert, dass sie möglichst einen Mittleren Schulabschluss auf dem Niveau des Realschulabschlusses erreichen. Insbesondere für Realschüler bietet das Modell die Chance, einen guten berufsqualifizierenden Abschluss zu machen. Es darf keinen Abschluss ohne Anschlussmöglichkeit mehr geben! So wollen wir die Zahl der Schulabbrecher deutlich reduzieren und die Wiederholerquote senken. Der Erfolg der Kooperationsschulen lässt die Nachfrage wachsen. Wir haben inzwischen erreicht, dass der Modellversuch ausgeweitet wird.
Mehr Chancengerechtigkeit im Übertrittsverfahren
Die FDP-Fraktion setzt sich für mehr Chancengerechtigkeit und mehr Durchlässigkeit im bayerischen Schulwesen ein. Die Reform des Übertrittsverfahrens ist dazu ein wichtiger Beitrag. Wir haben uns für die kind- und begabungsgerechte Weiterentwicklung der Übertrittsphase stark gemacht: Der Übertritt ist jetzt keine punktuelle Entscheidung mehr, sondern eine Entscheidungsphase von der dritten bis zur fünften Jahrgangsstufe. Durch zielgerichtete individuelle Förderung können Schülerinnen und Schüler in der so genannten „Gelenkklasse“ – ohne Wiederholung eines Schuljahres – direkt von der 5. Klasse in die 6. Klasse der nächsten Schulart überwechseln. Die FDP-Fraktion unterstützt insbesondere auch den Modellversuch „Flexible Grundschule“, da Kinder unterschiedliche Voraussetzungen beim Beginn ihrer Schulkarriere haben. Sie können die flexible Eingangsstufe entsprechend ihrer Begabung, ihrer Entwicklung und ihrer Vorbildung in einem individuellen Tempo zwischen einem und drei Jahren durchlaufen.
Schulerfolg ohne soziale Schranken
Um Kindern mit Migrationshintergrund gerechte Chancen bei ihrer Schulkarriere zu geben, haben wir vereinbart, dass in Grund-, Haupt- undMittelschule in Klassen mit einem Migrantenanteil von über 50 Prozent die Schülerzahl 25 nicht übersteigen darf. Dieses Ziel aus dem Koalitionsvertrag ist bereits erfüllt – ein liberaler Erfolg! Chancengerechtigkeit will die FDP-Fraktion auch verstärkt durch Jugendsozialarbeit an Schulen erreichen. Diese unterstützt gezielt sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2019 insgesamt 1.000 Stellen der Jugendsozialarbeit an Schulen einzurichten. Aktuell bezuschusst der Freistaat bereits 450 solcher Stellen und unterstützt damit die zuständigen Kommunen bei der Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben im Rahmen der Jugendhilfe. Seit 1. September 2010 werden Jugendsozialarbeitsstellen auch an Grundschulen gefördert, die einen Migrantenanteil von über 20 Prozent aufweisen.
„Inklusion“ – ein fraktionsübergreifender Auftrag
Die Verpflichtungen, die sich aus der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention – insbesondere des Artikels 24 – ergeben, betreffen direkt die Bildungs- und Schulpolitik der Bundesländer: Ziel ist das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung. Im Bayerischen Landtag hat sich eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zusammen gefunden und gemeinsam einen Gesetzentwurf erarbeitet. Die FDP-Fraktion hat eingebracht, dass Regelschulen und Förderschulen zwar näher zusammen finden müssen, dass aber auch künftig die Förderschulen als „Kompetenzzentren“ nötig bleiben. Die Umsetzung der Inklusion verstehen wir als Prozess, bei dem einzelne Schulen als „inklusive Schulen“ vorangehen. Durch ihr Beispiel wird das Thema sukzessive bei allen Beteiligten der Schulfamilie und in der Gesellschaft ankommen. Wir wollen dem Artikel 7 der Konvention gerecht werden, wo es heißt: „Bei allen Maßnahmen, die Kinder mit Behinderungen betreffen, ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist.“ Zur bestmöglichen Verwirklichung dieses Ziels schaffen wir im Doppelhaushalt 2011/2012 insgesamt 200 zusätzliche Lehrerstellen für Inklusion.
Pädagogischer Mehrwert durch mehr Ganztagsangebote
Wir haben erreicht, dass zügig ein bayernweit flächendeckendes Angebot an Ganztagsplätzen für alle Schularten – von Grundschulen, Hauptschulen und Förderschulen bis zu Realschulen und Gymnasien – geschaffen wird. Dazu haben wir dafür gesorgt, dass die erforderlichen finanziellen Mittel bereit gestellt werden. Die FDP-Landtagsfraktion ist von den Vorzügen der Ganztagsschule überzeugt, da sie einen pädagogischen Mehrwert hat. Es ist nun wissenschaftlich bestätigt, dass mit einer dauerhaften Teilnahme an der Ganztagsschule das Risiko für Klassenwiederholungen verringert, problematisches Sozialverhalten minimiert und bei hoher Schulqualität auch die Schulnoten sowie die Schulfreude verbessert werden. Die Qualität in der Ganztagsschule ist uns ein wichtiges Anliegen, das wir weiter vorantreiben werden.
Bildungsföderalismus neu beleben
Die FDP-Landtagsfraktion setzt sich dafür ein, eine Streichung des „Kooperationsverbotes“ aus dem Grundgesetz zu erreichen. Das Verbot schadet dem Bildungsstandort Deutschland und behindert somit auch den Bildungsföderalismus in der Bundesrepublik. Da sowohl Länder als auch Kommunen mit der Finanzierung von Zukunftsausgaben in der Bildung vor große Herausforderungen gestellt werden, hält die FDP-Landtagsfraktion ein weiteres Bund-Länder-Programm zum Ausbau von Ganztagsschulen und zur Umsetzung der UNBehindertenrechtskonvention für erforderlich – dasbestehende „Kooperationsverbot“ verhindert eine solche gemeinsame Initiative von Bund und Ländern. Damit Deutschland insgesamt wettbewerbsfähig bleibt und gut ausgebildete Menschen hervorbringt, brauchen wir jeden Euro, der in die Bildung fließt. Wir setzen uns auch dafür ein, dass endlich bundesweit vergleichbare Standards für die Abiturprüfungen definiert werden. Dies ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit für unsere bayerischen Abiturienten.
Mehr Freiheit und Verantwortung durch die „Eigenverantwortliche Schule“
Wir geben den Schulen mehr Freiheit und Verantwortung. Dazu hat die schwarz-gelbe Koalition mit der „Eigenverantwortlichen Schule“ ein zukunftsweisendes Konzept auf den Weg gebracht, das nicht von oben verordnet, sondern von der Schulfamilie vor Ort getragen und unterstützt wird. Mit der „Eigenverantwortlichen Schule“ geben sich die Schulen ein eigenes Profil, suchen sich selbst ihre Lehrkräfte aus und erhalten eine zeitgemäße Führungsstruktur, welche die Verantwortung erweitert und auf mehrere Lehrkräfte verteilt. So können Bildungsstandards nachhaltiger und schneller in den Lehrerkollegien verankert und langfristig die Qualität der bayerischen Schulen gesichert werden.
Weiterentwicklung der Lehrerausbildung
Eine schulartbezogene Prognose zum Lehrerbedarf in Bayern ist aus Sicht der FDP-Fraktion aufgrund der Mobilität der Abiturienten und der vielen Berufsalternativen, die sich Hochschulabsolventen nach einer modernen Universitätsausbildung bieten, nicht mehr treffsicher zu erstellen. Die Lehrerausbildung muss den Anforderungen einer sich dynamisch verändernden Gesellschaft mit einer heterogenen Schülerschaft in allen Phasen gerecht werden. Die Umsetzung dieses Ziels bedingt auch eine Neuausrichtung der Lehrerausbildung. Gemäß dem Koalitionsvertrag wollen wir die Lehrerausbildung über eine Qualitätsoffensive verbessern und durchlässiger gestalten. So haben wir uns bereits dafür eingesetzt, dass das Kultusministerium die Arbeit der Seminarlehrer aller Schularten evaluiert, um die pädagogische und didaktische Ausbildung der Referendare einheitlich bewerten und verbessern zu können.
Mehr Geld für mehr Lehrer und mehr Lehrqualität
Trotz zurückgehender Schülerzahlen unterrichten an Bayerns Schulen so viele Lehrer wie niemals zuvor – die liberale Handschrift ist deutlich sichtbar! Seit Regierungsantritt der Liberalen investiert Bayern kräftig in den Bildungsbereich – seit 2008 fast zwei Milliarden Euro mehr als zuvor. Von 2008 bis 2012 wird die Anzahl der Lehrerplanstellen von 81.014 auf 86.685 steigen – ein Plus von 5,6 Prozent. Dadurch konnte die Schüler-Lehrer-Relation von 17,9 im Schuljahr 2006/07 bereits auf 16,8 im Schuljahr 2009/10 gesenkt werden. Damit verbunden ist ein weiterer Rückgang der durchschnittlichen Klassenstärken.
Privatschulen für mehr Bildungsvielfalt
Die FDP-Fraktion setzt sich für ein vielfältiges Bildungsangebot in Bayern ein. Dazu zählt der Wettbewerb zwischen öffentlichen Schulen und Schulen in privater Trägerschaft. Deshalb wird die Privatschulfinanzierung im Volksschulbereich verbessert und vereinfacht. Und wir haben erreicht, dass der Schulgeldersatz deutlich steigt: 2011 rückwirkend zum 1. Januar um 5 Euro und zum Schuljahresbeginn 2012 um weitere 7,50 Euro auf dann 87,50 Euro monatlich. Damit kommen wir den angestrebten 100 Euro pro Monat ein ganzes Stück näher!




